Re(view):publica 2011

Der Alltag ist wieder eingekehrt, die re:publica 2011 liegt schon wieder 4 Tage zurück, gefühlt mehrere Wochen, wenn man die Fülle an Nachberichterstattung auf unzähligen Blogs betrachtet. Auch wir reihen uns ein, möchten von einer re:publica berichten, von der gelernt werden kann, die aber auch selbst noch lernen kann.
Allem voran aber ein paar Zeilen zu dem, was der Gast lernen konnte:
Vom 13.04.2011 bis zum 15.04.2011 waren wir Gast auf der Internet- und Bloggerkonferenz in Berlin. Der Friedrichstadtpalast, die Kalkscheune und der Quatsch-Comedy-Club an der Friedrichstraße beherbergten innerhalb dieser drei Tage ca. 3000 Menschen, die irgendwas mit Medien und dem Internet zu tun haben. Blogger, Coder, Agenturen und Freelancer, manchmal auch alles in einem fanden sich zusammen und diskutierten über die gesellschaftliche Relevanz, die politische Brisanz und über Chancen und Risiken der Digitalen Gesellschaft.

Drei Beispiele inhaltliche Beispiele dafür:
„Das nächste Zeitalter geht nicht mehr um Wissen, das ist im Betriebssystem, sondern es geht darum, dass wir das echt können.“ In seiner Session „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“weist Prof. Gunter Dueck beispielsweise darauf hin, wie die Professionalisierung der Gesellschaft durch das Internet beeinflusst ist, in der Zukunft weiterhin beeinflusst wird, die Gesellschaft sogar in ihren Grundfesten verändert. Es geht nicht mehr nur darum zu unterscheiden, ob das Web 2.0 Hypes auslöst oder Randerscheinung der Digitalisierung ist. Auf der re:publica wurden ganz konkret Veränderungen aufgezeigt und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft besprochen. Der Blick in die aufgezeichnete Session von Dueck lohnt in diesem Zusammenhang auf jeden Fall.
Der Zusammenhang zwischen politischen Veränderungen und dem Einfluss des Internets auf diese Veränderungen wurden u.a. von Noha Atef, Journalistin und Aktivistin für Menschenrechte, erläutert. Sie sprach über den Einfluss von Social Media auf politische Umbrüche in Ägypten und der arabischen Welt und stellte beeindruckend dar, wie sich Menschen aller Art das Internet instrumentalisieren, um für die Menschenrechte zusammen revolutionäre Veränderungen hervorzubringen.
Jürgen Ertelt besprach mit den Gästen der re:publica ein ganz anderen Sachverhalt. „Medienkompetenz #WTF“ hieß seine Session, in der er sich auf aktuelle Bestrebungen von Politik und Wirtschaft bezog, Medienkompetenz zu vermitteln. Er verglich Bestrebungen mit einer völlig anderen Realität, nämlich der, dass Medienkompetenz vorbei an der Entwicklung von Kompetenz für den richtigen Umgang mit dem Netz führt, stark mit der Schaffung von Angst verknüpft ist. Ansätze zu vernünftigen Vorhaben in diesem Zusammenhang lobte er und bezog sich auf Vereine, wie DIGITALE GESELLSCHAFT e.V. , die sich Fragen der Verantwortung im Netz stellen.

Drei Beispiele, die einen Unterton stark mitschwingen lassen. Das Netz muss Verantwortung übernehmen und die Gesellschaft sich dieser Verantwortung ebenfalls stellen. Das Internet verändert die Arbeitswelt, Kommunikationsprozesse, sogar ganze Länder und deren politische Systeme. Inhaltlich war diese re:publica die Chance genau diese Verantwortung zu besprechen, zu aktzeptieren und Ansätze dafür zu erhalten, dass Verantwortung übernommen wird, gesellschaftlich, politisch, medial und einfach nur menschlich.
Die re:publica war aber nicht nur Hort des Ernstes und der Verantwortung, sie war auch Plattform zum Dialog. Kern der re:publica waren u.a. die Gespräche am Rand. Sie führte uns zu den Menschen, mit denen wir sehr lange schon ungesehen aber gelesen in der Blogosphäre oder über unterschiedlichste Communities kommunizieren. Sie führte Netzwerke zusammen und ermöglichte Gespräche über Twitter hinaus, ließ Handshakes zu und führte zur Festigung digital existierender Sympathien, bereicherte durch die Verknüpfung mit vielen neuen und alten Bekannten aus dem Internet.
Ein Umstand, der darüber hinwegblicken lässt, dass sich zuweilen Veranstaltungen mit recht werblichem Charakter in eine doch eher offene und von Geschäftsgebaren befreiten Konferenz einschlichen. Ein Umstand der auch die Schultern zucken lässt, bei dem Fakt, dass ein brauchbarer Zugang zum Internet auf der Internetkonferenz nur teilweise möglich war. Diese beiden Kritikpunkte sehen wir als Möglichkeiten des Lernens seitens der Veranstalter, denen wir dennoch großes Lob aussprechen.
Vielen Dank an eine re:publica, die nachdenklich stimmt, eine re:publica die verbessert, was ohnehin schon gut war, nämlich menschliche Beziehungen, eine re:publica, deren nächste Runde 2012 nun heiß erwartet werden darf!





